migru

Lokal: Häufige Fragen von Flüchtlingen (2)

Mülheim an der Ruhr - Rückkehr ins Heimatland - Arzt - Krankenkasse


Flüchtlinge haben viele Fragen, und sehr oft werden diese Fragen ehrenamtlichen Helfern, zu denen sie aufgrund der Hilfe engeren Kontakt haben, gestellt.

Im Folgenden werden die meisten der häufig gestellten Fragen beantwortet, um ehrenamtlichen Helfern zumindest grundsätzliche Informationen an die Hand zu geben, insbesondere deshalb, weil viele Auskünfte an und auch das Wissen von Asylsuchenden auf Vermutungen der Form "habe ich gehört" basieren und weil Flüchtlingen oftmals vielen Helfern dieselbe Frage stellen und dann die für richtig halten (wollen), die am positivsten lautet.
Gerade aus dem letzteren Grunde sollte ein ehrenamtlicher Helfer eine Frage möglichst nur knapp und "auf den Punkt" beantworten, denn der Inhalt von Wörtern wie "vielleicht", "möglich", "manchmal", "bald", "oft" etc. wird von Nicht-Deutschsprachigen Personen schnell falsch verstanden.

WICHTIG:
  • Dieser Text ist bewußt nur in der Sprache deutsch verfügbar. Der Hauptgrund hierfür ist der, daß ein Leser bei einigen Fragen auch "deutsch" denken muß oder Verfahren und Vorgänge angesprochen werden, die zwar jeder Deutsche kennt, die einem Ausländer, zumal einem, der sich erst kurze Zeit in Deutschland befindet, jedoch Verständnisschwierigkeiten bereiten. Vielfach wird Gelesenes daher falsch verstanden und auch falsch weitergegeben.
    Sinnvoller ist es da, wenn eine dem Flüchtling nahestehende Person die Antwort in eigenen Worten erläutert, die dem Grad des Verständnisses und dem der Kenntnis der deutschen Sprache des Flüchtlings entsprechen.
  • Die Antworten stellen keine Rechtsberatung dar - eine erschöpfende, rechtssichere, Auskunft auf dem aktuellen Stand, und der kann sich schnell ändern, können in jedem Falle nur die jeweils zuständige Behörde oder die offiziell dafür vorgesehenen Beratungsstellen geben.
  • Dieser Text bezieht sich nur auf Personen, die nicht bereits als Asylberechtigte, Flüchtlinge oder Schutzberechtigte offiziell "anerkannt" worden sind (Ausnahme: Familiennachzug).
  • Dieser Text bezieht sich in erster Linie auf die Stadt Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen - in anderen Städten und anderen Bundesländern können im Detail auch andere Regeln gelten oder andere Verfahren zur Anwendung kommen.




Ich möchte gerne in mein Heimatland zurückkehren. Was muß ich tun?

Beim Ausländeramt kann man sein Asylgesuch zurücknehmen und erhält dann nach einigen Tagen oder Wochen Bearbeitungszeit seinen vom BAMF einbehaltenen Reisepaß zurück (oder muß bei der Botschaft seines Heimatlandes in Deutschland einen Reisepaß beantragen). Danach kann man in das Heimatland zurückreisen, wobei das Ausländeramt jedoch vorgibt, wie lange man bis da hin noch maximal in Deutschland bleiben darf und zu diesem Zweck eine sogenannte "Grenzübertrittsbescheinigung" ausstellt und demjenigen per Briefpost zusendet oder aushändigt.



Ich möchte in mein Heimatland zurückkehren, doch ich habe kein Geld für die Reise.

Bei amtlichen sogenannten "Rückkehrberatungsstellen" kann man sich zur Rückreise beraten lassen. Dort können für die Rückreise in bestimmte Länder auch Reisekostenbeihilfen vermittelt werden.

Für den Bereich Mülheim an der Ruhr gibt es als Rückkehr-Beratungsstellen das "Flüchtlingsreferat des Evangelischen Kirchenkreises", das Ausländeramt Mülheim, sowie das DRK (Flüchtlingsunterkunft Mintarder Straße).



An wen muß ich mich wenden, wenn ich kostenlose (von anderen Menschen gespendete) Kleidungsstücke oder Haushaltsgegenstände aus 2.Hand haben möchte?

Gespendete Dinge kann man im "WIM-Warenhaus" (Friedrich-Ebert-Straße 3, Stadtmitte, schließt Ende 2018) erhalten bzw. erwerben. Es gibt in Mülheim außerdem auch noch weitere "Sozialkaufhäuser", in denen man zu geringen Preisen Gegenstände aus 2.Hand kaufen kann.



An wen muß ich mich wegen allgemeinen Fragen (Schule, Kinder, Wohnung) wenden?

Die meisten dieser Fragen werden vom zuständigen Sozialarbeiter beantwortet, oder man erhält dort eine Information darüber, an wen man sich wenden kann.

WICHTIG: Familien mit schulpflichtigen Kindern erhalten automatisch innerhalb von etwa 4-6 Wochen einen Termin zur Vorsprache beim "Kommunalen Integrationszentrum Mülheim" (Heinrich-Melzer-Straße, gegenüber Gesundheitsamt). Bei diesem Termin wird eine Einstufung des Kindes für die Zuteilung in eine Schule und Klasse vorgenommen.
Danach erhält man dann einen weiteren Termin, diesmal zur Vorstellung des Kindes in der Schule. In einigen Fällen werden diese Termine versäumt, z.B. weil die Anschrift eines Asylsuchenden nicht aktualisiert wurde (z.B. bei der Verlegung in eine andere Unterkunft in Mülheim) und ihn ein Brief nicht erreicht, oder weil der Asylsuchende den Brief nicht versteht und deshalb nicht beachtet, oder weil Asylsuchende einen anderen Termin wahrnehmen müssen oder wollen. Ehrenamtliche Helfer sollten, insbesondere bei Familien, mit darauf achten, daß diese Terminbriefe gelesen und verstanden und die Termine wahrgenommen werden.




Was muß ich tun, wenn ich zum Arzt gehen muß oder will?

WICHTIG: Eine Notfallbehandlung ist immer sofort und ohne Behandlungsschein möglich, ansonsten gilt:

a) Zu einem Hausarzt oder Facharzt gehen, Termin vereinbaren.
b1) Zum Sozialamt gehen (Ruhrstraße 1, verschiedene Sachbearbeiter), dort erhält man einen Behandlungsschein, mit dem man dann zum Termin zum Arzt gehen kann.
b2) Wer bereits eine Versichertenkarte einer Krankenkasse hat, benötigt keinen Behandlungsschein, sondern zeigt die Versichertenkarte beim Arzt vor.
ACHTUNG! Man soll während des Asylverfahrens nur dann zum Arzt gehen, wenn ein akuter Fall (z.B. offene Wunden, Atemnot, Fieber, körperliche Beeinträchtigungen, etc.) vorliegt, und/oder man Schmerzen hat, da man sonst die Kosten für Behandlung und/oder Hilfsmittel selbst zahlen muß!
c) Arzneimittel, die ein Arzt auf einem sogenannten "Rezept" verordnet hat, erhält man in einer "Apotheke", wenn man dort das Rezept vorlegt. Die Mittel sind entweder kostenlos oder kosten einen geringen Geldbetrag.


Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang auf folgende Sachverhalte hinzuweisen:
- Viele Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Aspirin, Paracetamol) und Mittel gegen "einfache" Krankheiten (z.B. Hustensaft, Nasentropfen, Salben) werden nicht vom Arzt verordnet, man kann sie jedoch ohne Rezept in einer Apotheke selbst kaufen.
- Antibiotika können in Deutschland, anders als in vielen anderen Ländern, NUR dann gekauft werden, wenn ein Arzt sie verordnet hat!




Mein Arzt ist schlecht, ich möchte zu einem anderen.

In vielen Ländern wird die Kompetenz eines Arztes von Patienten daran gemessen, wieviele Untersuchungen dieser macht und wieviele Medikamente er verschreibt. In Deutschland werden dagegen (im Idealfall) nur die notwendigen Untersuchungen durchgeführt und nur die notwendigen Medikamente verschrieben.
Falls das Urteil eines Asylsuchenden über einen Arzt NUR aus diesem Grunde negativ ist, sollte man diesen Sachverhalt erklären.



Siehe auch: Fragen von Asylsuchenden Teil 1



Stand: 2018-10-01
Die obenstehenden Ausführungen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen des Autors, stellen aber keine ausführliche oder rechtsverbindliche Erläuterung dar, sondern dienen nur zur Übersicht über das Verfahren!


(c) 2015-2018 migru