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GEDANKEN:  Flüchtlingsfamilien und Sozialstaat

Flüchtlinge - Familien - Frauen - Kinder - Sozialleistungen


In den Medien tauchen Flüchtlinge meistens als männliche Einzelpersonen auf, und viele von ihnen sind ja auch als Einzelpersonen nach Deutschland gekommen. Doch in vielen Fällen sind sie es nicht, denn sie haben oftmals eine Familie, die sich noch in der ehemaligen Heimat befindet und nun, nachdem ein Mitglied der Familie einen Schutzstatus in Deutschland erhalten hat, zunehmend auf dem Wege des Familiennachzuges nach Deutschland kommt.

Aus meiner eigenen Erfahrung in der Flüchtlingsinformation schätze ich die tatsächliche Familiengröße von Familien auf mindestens 5 Personen - Vater, Mutter und 3 Kinder. Die Familiengröße liegt nach meiner Erfahrung zwar eher noch höher, also öfters in der Gegend von 4 oder 5 Kindern pro Familie, in Einzelfällen noch mehr, doch für das, was ich ausdrücken will, reicht bereits das Beispiel einer fünfköpfigen Familie:

Die Sozialleistungen (Arbeitslosengeld II, "Hartz IV") für eine 5köpfige Familie betragen zur Zeit in etwa:

2*360 = 720€ für die beiden Eltern
3*268 = 804€ für die drei Kinder (ein Kind erhält je nach Alter 234-302 Euro)

Das macht zusammen also 1.524€.

Hinzu kommen dann Miete und Nebenkosten. Sagen wir, die sind nicht allzu hoch, also eine eher einfache Wohngegend und Wohnung, was nach meinen Erfahrung am ehesten zutreffen wird - das macht so etwa 700€.

Alles zusammen kommen wir damit dann auf 2.224€.

Hinzu kommen eventuell weitere Vergünstigungen, die ich hier gar nicht alle im einzelnen berechnen will, und auf die ein gesetzlicher Anspruch besteht - die tatsächliche Sozialleistung liegt also in jedem Falle höher als der obige Wert, doch nicht niedriger.


Für einen Nettolohn in Höhe von 2.224€ ergibt sich, bei einem Alleinverdiener, SK III, in etwa ein Bruttogehalt in Höhe von etwa 3.100 Euro, und gemäß unserer Annahme, wird dieser Betrag in der Realität sogar eher höher, als niedriger, liegen.

Mit anderen Worten - diese Familie muß, um auch nur aus dem Sozialleistungsbezug herauszukommen, ein Bruttoeinkommen in Höhe von 3.100€ haben.

Da die Familie erst vor kurzer Zeit nach Deutschland kam, kann sie in dieser Zeit noch kein Vermögen, Wohneigentum etc. erworben haben, aus dem sie zusätzliche Einkünfte erhält - das Bruttoeinkommen ist also hier identisch mit dem Brutto-Arbeitseinkommen.

Kommen wir nun zum durchschnittlichen Bruttoverdienst eines Arbeitnehmers in Deutschland. Dieser betrug im Jahre 2012 in Deutschland nach Angaben des Finanzministeriums 2.536€. Nun sagen wir, daß der um jährlich 3% steigt (was er eher nicht tut), dann kommen wir für 2016 auf ein Brutto-Gehalt von 3.081€.

Selbst bei dieser Berechnung, die in allen Zweifelsfällen stets eine zurückhaltende Annahme getroffen hat, und die deshalb in ihrer Ausprägung eher "schönredet" als "schwarzmalt", wird die Familie aus dem obenstehenden Beispiel auch im Jahre 2016 noch immer Sozialleistungen erhalten.

Hat die Familie aber mehr als 3 Kinder, erhält sie mehr Sozialleistungen und ist das Arbeitseinkommen geringer als der Durchschnitt, erhält sie entsprechend mehr Sozialleistungen.

Die Wahrscheinlichkeit, daß diese Familie auch mittelfristig Sozialleistungen beziehen wird, ist insgesamt höher, als daß dies nicht der Fall ist.


Nun könnte man entgegnen, daß es sich ja um 2 Eltern handelt und somit auch beide Eltern arbeiten könnten. Das ist sicherlich ein berechtigter Einwand, doch er ist, zumindest nach meinen eigenen, bisherigen, Erfahrungen, nicht durchgreifend.

Denn es ist zu berücksichtigen, daß es sich bei den Flüchtlingsfamilien in erster Linie um junge Familien handelt und die Kinder zumeist zwischen 0 und 14 Jahren alt sind. Dies bedeutet, daß sich jedenfalls ein Elternteil nicht nur um den Haushalt für mehrere Personen kümmern muß, sondern meist auch noch die nicht schulpflichtigen Kinder selbst betreuen muß.

Und selbst, wenn diese einen Platz in einem Kindergarten oder der Schule haben und nicht gerade Ferienzeit ist, muß ein nennenswerter Aufwand dafür berücksichtigt werden, die einzelnen Kinder zum Kindergarten oder zur Schule und etwaigen sonstigen Aktivitäten zu bringen und abzuholen - wobei das Mittel dafür in den meisten Fällen die eigenen Füße oder die öffentlichen Verkehrmittel sind, denn bis eine solche Familie für diesen Zweck ein Auto einsetzen kann, das wird noch lange dauern.

In (nicht nur) arabischen Gesellschaften ist die Frau traditionell das Familienmitglied, das sich vorwiegend um Haushalt und Kindererziehung kümmert, also wird sie das auch in Deutschland tun, jedenfalls in den ersten Jahren.
Und sie ist damit, je nach Kinderzahl, auch durchaus ausgelastet - Vergleiche mit typisch "deutschen" Familien, die 1-2 Kinder haben und in denen oft 1-2 Autos, sowie Großeltern, zur Verfügung stehen, schlagen hier natürlich fehl.

Das aber hat auch noch ein weiteres Problem zur Folge - nämlich das, daß dadurch, daß die Frau ziemlich eingespannt ist, ihr weniger Zeit verbleibt, um sich auf eine Berufstätigkeit für die Zeit, in der die Kinder nicht mehr ständig betreuungsbedürftig sind, adäquat vorzubereiten. Das beginnt mit der Teilnahme an täglichen Deutschkursen und hört bei der fehlenden Zeit, sich ein Netzwerk von Freundinnen und hilfreichen Bezugspersonen aufzubauen, noch lange nicht auf.

Als Folge davon werden es diese Frauen, selbst wenn sie mit einer mittleren oder hohen Schulbildung, vielleicht sogar einem Studienabschluß, nach Deutschland kamen, zunehmend schwerer haben, gegenüber der "Konkurrenzgruppe" derjenigen, die günstigere Ausgangsvoraussetzungen haben, zu bestehen - was auch für die Zukunft in Bezug auf mögliches Arbeitseinkommen dämpfend wirken wird.


(Artikel veröffentlicht im April 2016)


2017-04-24: Zusatz
Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes müssen derzeit über 38 Jahre hinweg jeden Monat etwa 2300€ Brutto rentenversicherungspflichtig verdient werden, um später eine Rente auf dem Niveau der Mindestsicherung (also der Sozialhilfe, das sind nach heutigem Stand etwa 800€) zu erhalten.

Für den oben angesprochenen Personenkreis stellt dies nach meiner Einschätzung ein Szenario dar, das durchweg nicht erreicht werden kann, denn dazu müßte, ein Rentenbeginn von 67 Jahren vorausgesetzt, der entsprechende Verdienst ab dem 29.Lebensjahr dauerhaft erzielt werden. Als Folge werden vermutlich die meisten Flüchtlinge auch später, beim Renteneintritt, durch das Sozialsystem finanziert werden müssen ... wenn es das dann überhaupt noch in der bisherigen Form und Ausgestaltung gibt.



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