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Zweitehen und Mehrehen in Deutschland

Auswirkung  - ausländische Ehen - religiöse Ehen -


Im Zuge der Migration nach Deutschland, nicht nur der letzten Jahre, werden zunehmend sogenannte Zweit- oder Mehrehen, in so gut wie allen Fällen von Männern muslimischen Glaubens mit zwei oder mehr Ehefrauen, öffentlich bekannt und thematisiert.

In der Diskussion hierüber ist so gut wie immer zu bemerken, daß die Diskutierenden mit Hörensagen, vermeintlichen gesetzlichen Vorschriften und geringer Kenntnis über das Wesen der Zweitehe argumentieren.

Aus diesem Grunde habe ich nachstehend die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema zusammengestellt:


Eine Zweitehe ist nach deutschem Recht ungültig?

Nicht per se, sondern nur dann, wenn sie gegen die Bestimmungen des Landes verstößt, in dem sie geschlossen wurde. In einem Land, das die Mehr-Ehe erlaubt, kann also eine dort rechtsgültige Ehe geschlossen werden. Diese Ehe ist grundsätzlich auch in Deutschland rechtsgültig.


Was ist Bigamie?

Bigamie ist es, wenn einer der Eheleute noch mit einer weiteren Person verheiratet ist. Ist ein Mann mit mehreren Frauen verheiratet, spricht man von "Polygynie", oder, in deutsch und geschlechtsneutral, von einer "Mehrehe".


Bigamie ist in Deutschland strafbar?

Ja und nein - der Paragraph 172 des Strafgesetzbuches stellt die Eingehung (also nicht das Bestehen!) einer weiteren Ehe unter Strafe. Da das Strafgesetzbuch nur für Deutschland gilt, kann diese Strafbarkeit also nur dann eintreten, wenn eine Mehr-Ehe auch in Deutschland geschlossen wird. Mit anderen Worten: Bigamie ist nur dann strafbar, wenn die weitere Ehe in Deutschland geschlossen wird.

Es gibt allerdings auch noch die Einschränkung des EGBGB (Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche), das sagt, daß für eine Eheschließung das Recht des Landes gilt, dem eine Person angehört. Mit dieser Regelung könnten weitere Ehen von Deutschen, die sie im Ausland geschlossen haben, angefochten (als rechtsunwirksam betrachtet) werden - nicht aber Ehen von Ausländern, bei der _beide_ Ehepartner Ländern angehören, in denen eine Mehr-Ehe rechtlich wirksam geschlossen werden darf.


Mehrehen haben in Deutschland rechtliche Vorteile?

Nein, das haben sie nicht. Eine Mehrehe wird in Deutschland generell ebenso behandelt, als ob ein Ehepaar mit weiteren Personen zusammenlebt.


Eine religiös geschlossene ausländische Ehe ist in Deutschand wirksam?

Nein, das ist sie nicht automatisch, sondern nur dann, wenn diese Form der Eheschließung in dem Land, in dem die Ehe geschlossen wurde, auch eine gesetzlich gültige Eheschließung ist.
Nicht in allen islamischen Ländern ist jedoch jede Form einer Ehe auch rechtsgültig, manchmal sind bestimmte Regularien zu beachten, manchmal ist zusätzlich eine staatliche Registrierung erforderlich. Siehe dazu als Beispiel auch diesen Artikel über Urfi-Ehen.
Nicht alle "islamischen" oder "traditionellen" Eheschließungen sind also automatisch rechtsgültige Ehen, das hängt jeweils vom Recht des Landes, in dem geheiratet wurde, ab.


Eine Ehe muß in Deutschland "anerkannt" werden?

Nein - das muß sie nicht. Die Eheleute müssen sie nur dann "anerkennen" lassen, wenn sie gegenüber dem Staat als "bekanntgemacht" gelten und entsprechende rechtliche Vorteile nach sich ziehen soll, also beispielsweise Steuerklassen, Mitversicherung des Ehepartners, Witwenrente, etc.
 
Eheleute, die im Ausland geheiratet haben, können also durchaus rechtsgültig miteinander verheiratet sein, OHNE daß die Ehe in Deutschland auch formal anerkannt wurde. Gleichwohl werden sich diese Eheleute untereinander, womöglich auch gegenüber ihren Familien und Verwandten, als "verheiratet" fühlen.
Bei Mitgliedern von bestimmten Glaubensgemeinschaften und Weltanschauungen ist eine staatliche Registrierung ihrer Ehe keine Voraussetzung - auch ohne eine solche Registrierung werden alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft sie als miteinander verheiratet betrachten.



Mehrehen müssen in Deutschland verboten werden?

Mehrehen haben keine anderen tatsächlichen Auswirkungen, als die Ehe eines Mannes, der zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Geliebten zusammenlebt. Und das ist nach deutschem Recht nicht verboten.
Weder bei der Steuer, noch bei der Renten- oder Krankenversicherung, und auch nicht beim Kindergeld, ergeben sich in der einen oder anderen Konstellation Vorteile, die die andere nicht hätte. Falls ein Mann bei seinem Tode mehrere Frauen hat, so wird seine Rente z.B. entsprechend der Anzahl der Frauen aufgeteilt - alle zusammen erhalten dann also genau dieselbe Summe, wie die Ehefrau eines Mannes, der nur mit einer Frau verheiratet war.


Männer dürfen ihre 2 oder mehreren Ehefrauen nach Deutschland nachziehen lassen?

Nein. Ein Familiennachzug zum Ehemann ist nur für eine (1) Frau möglich. Daß es zu Fällen kommt, in denen mehrere Frauen nachziehen, liegt auschließlich an den leiblichen Kindern der Mutter, denn ein Kind hat das Recht, mit den Eltern zusammenzuleben.
Noch einmal: Zu einem Mann, der Kinder von mehreren Frauen hat, kann nur eine dieser Frauen (und nur dann, wenn er mit ihr verheiratet ist) nachziehen - doch zu ihrem leiblichen Kind, für das sie ein (Mit)Sorgerecht hat, darf die Mutter nachziehen, und da ist es völlig egal, ob sie mit dem Vater, egal nach welchem Ehe-Recht, verheiratet ist (oder es jemals war!), oder nicht.


Die nächste Frage in diesem Zusammenhang lautet dann natürlich:
Warum muß der Familiennachzug der Mutter nach Deutschland stattfinden?

Bei Kindern, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen lautet die Antwort darauf: Weil sie das Recht haben, in Deutschland zu leben - und mit ihrer Mutter, denn ein deutsches Kind kann nicht dazu gezwungen werden, zur Mutter in ein anderes Land zu ziehen.

Bei ausländischen Kindern lautet die Antwort: Bei einem Familiennachzug wird zunächst amtlicherseits geprüft, ob der auch außerhalb Deutschlands stattfinden kann.

a) Bei Kindern, die anerkannte Flüchtlinge sind, ist es aber so, daß sie ja gerade deshalb anerkannt wurden, weil sie nicht (mehr) in ihrem Heimatland leben können. Da das Kind also nicht zur Mutter ins Heimatland kann, besteht nur noch die Möglichkeit, daß die Mutter zum Kinde nachzieht.

b) Lebt die Mutter in einem anderen Land, als dem Heimatland, dann könnte die Familienzusammenführung auch dorthin stattfinden, WENN beide (Mutter und Kind) einen besonderen Bezug zu diesem Lande haben. Das wäre der Fall, wenn beispielweise dort beide eine Aufenthaltserlaubnis haben/erhalten und/oder beide die Sprache dieses Landes sprechen. In den meisten Fällen kann dieser besondere Bezug aber nicht festgestellt werden - und damit kommt dann ein Nachzug nur nach Deutschland in Frage.



Aus den obenstehenden Fakten ergibt sich also, daß ein muslimischer Mann, der mit zwei Frauen nach seinem Landes- oder Glaubensrecht verheiratet ist, in Deutschland nicht automatisch amtlich als verheiratet gilt - er hat in diesem Falle denselben Status als ein (z.B. deutscher) Mann, der mit zwei Frauen zusammenlebt oder als ein Mann, der mit einer Frau verheiratet ist und mit einer nicht, und mit beiden zusammenlebt.

Exakt dasselbe Ergebnis erzielt also ein deutscher Mann, der eine Frau heiratet und mit ihr und einer Geliebten zusammenlebt. Unter dem Strich steht: Ob man nun nur eine oder 2 (oder mehr) Bescheinigungen über eine Ehe besitzt - man sich dafür jedenfalls nichts (zusätzliches) kaufen.




Stand: 2018-07-20
Die obenstehenden Ausführungen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen des Autors, stellen aber keine ausführliche oder rechtsverbindliche Erläuterung dar, sondern dienen nur zur Übersicht über das Verfahren!


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